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Nissan Leaf e+ (62 k2h).

Kategorie: E-Autos
Nissan Leaf e+ (62 k2h)
Erfahrungsbericht von
Enzo de la Couronne
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10.08.2020

Anschaffung

Der Entschluss, ein Elektrofahrzeug zu kaufen, kam relativ spontan. Mehrere Gründe waren ausschlaggebend. Als ich, 62 Jahre alt, noch berufstätig war, pendelte ich und kam mit meinem Diesel auf täglich mindestens 120 Kilometer. Mit Ruhestandsbeginn und der aufkommenden Diskussion über Dieselfahrverbote in Innenstädten sattelte ich auf einen Benziner um. Der stand oft mehrere Tage hintereinander in der Garage, weil ich neben E-Bike und ÖPNV auch meine Beine wieder mehr nutzte. Ein Auto brauchte ich aber trotzdem immer noch — sei es für Wocheneinkäufe, sei es für Transport schwerer Lasten, sei es für Landpartien mit dem Hund. Die Verkehrspolitik in meiner Heimatstadt war über Jahrzehnte nicht gerade autofreundlich. Als nun im März 2020 eine neue, schwarz-grüne Stadtregierung ins Rathaus gewählt wurde, sah ich weitere Schikanen am politischen Horizont. Der Entschluss für ein E-Auto stand fest.

Ausstattung & Fahreigenschaften

5 von 5

Ein reines Stadtfahrzeug kam von vorneherein nicht in Frage. Auf längere Frist sollte das E-Auto das einzige Familienfahrzeug sein (meine Frau fährt noch einen kleinen Verbrenner). Einen Hybrid halte ich für einen faulen Kompromiss, der zwar im Stadtverkehr sauber unterwegs ist, auf längeren Strecken aber wieder „giftet“. Er hat auch nicht die Vorteile eines E-Mobils in Sachen Wartung und Unterhalt, sondern doppelten Aufwand und Kosten. Komponenten wie Kraftstoffversorgung, Getriebeschmierung, Abgasreinigung etc. pp. sind ja weiterhin vorhanden. Außerdem fahre ich gerne zügig, die E-Mobile sind meist PS-stark und luxuriös ausgestattet. Zunächst hatte ich einen Polestar 2 im Auge, was durch Corona aber sabotiert wurde. Fahrzeuge deutscher Hersteller hatten meist relativ geringe Reichenweiten. So habe ich mich für den Nissan mit der größeren Akkukapazität entschieden.

Reichweite & Laden

4 von 5

Wenn sich irgendwann ein Elektriker aus der Auftragsflut in meine Garage bequemt, werde ich dort mit 22 kWh laden können. Dann läuft der E-Alltag problemlos. Bis dahin fahre ich an öffentliche Ladestationen, von denen es in unserer Stadt genügend gibt. Auf Urlaubsreisen plane ich die Pausen, die ich wegen des Hundes immer schon machte, nun so, dass ich an einem Schnelllader pausiere. Für meine „Klassikerstrecke“ (von Bayern ins norditalienische Piemont) brauche ich zwei Ladestopps und bin im Endeffekt auch nicht später am Ziel als früher mit dem Verbrenner.
Lernen musste ich, dass die Reichweite stark variiert, abhängig von Wetterfaktoren und Streckenart. Dass der Akku bei reinen Autobahnfahrten am schnellsten leer ist, hat mich anfangs irritiert. Ist aber irgendwie auch logisch: Da der Nissan bei Stop&Go-, Bergab- oder Nebenstreckenfahrten beim Bremsen rekuperiert (also Energie in die Akkus zurückspeist) hält er länger durch als auf dem Highway.
Toll beim Nissan ist die Funktion „E-Pedal“. Da wirkt der Motor beim „Gas“-wegnehmen und Rekuperieren so stark verzögernd, dass man eigentlich gar nicht mehr bremsen muss. Man muss es zwar etwas verinnerlichen und vorausschauend fahren, aber ich habe schon 250-Kilometer-Trips geschafft, ohne ein einziges Mal auf die Bremse zu treten.
Sehr zum entspannten und energiesparenden Fahren tragen auch die zahlreichen Assistenzsysteme bei. Abstandsradar, Spurhalteassistent, Staupilot schonen Nerven und Akkukapazität.
Keine Angst habe ich davor, mit leerem Akku mal liegenzubleiben. Aber ich bin in den über 40 Jahren zuvor ja auch noch nie mit leerem Tank gestrandet. Etwas ärgerlich ist beim Laden unterwegs die Vielzahl von Abrechnungssystemen an den Ladesäulen. Irgendwann hat man ein Dutzend Anbieter-Apps auf dem Smartphone. Einige Anbieter zocken auch bei den Gebühren richtig ab. Aber auch hier tut sich was: Die neue App von ADAC und EnBW ist schon recht kundenfreundlich.

Preis / Leistung

5 von 5

Ein E-Auto ist teurer als ein Benziner oder Diesel gleicher Klasse bzw. Ausstattung, klar. Aber nur in der Anschaffung; im Alltag kommt das Geld schnell wieder rein: Kaum Wartungskosten, Energiekosten etwa ein Drittel, z. T. kostenloses Parken in Innenstädten, 10 Jahre keine Kfz-Steuer, günstigere Versicherung. Nicht zu vergessen sind auch die Zuschüsse für Kauf, Ladeinfrastruktur und anderes. Hat sich bei mir auf deutlich über 12000 Euro summiert.

Gesamtbewertung

5 von 5

Man muss sein Fahrverhalten vielleicht ein wenig umstellen, um alle Vorteile des E-Fahrens mitzunehmen. Aber selbst wenn ich das nicht getan hätte: Ich habe dem Umstieg noch keine Sekunde bereut.

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